Gunter Waldek

Uraufführung der „Ersten Symphonie“ von Gunter Waldek im Brucknerhaus Linz

Gunter Waldeks Erste Symphonie entstand 2017/18 auf Anregung der Bruckner-Universität Linz als Auftragswerk des Landes Oberösterreich aus Anlass seines 65. Geburtstages.

Die Gattung „Symphonie“ ist wie keine andere durch das gängige Orchesterrepertoire mit zahllosen Meisterwerken der Klassik und Romantik geprägt; die Neukonzeption eines Werkes erfordert daher neben dramaturgischen, ästhetischen und kompositionstechnischen Überlegungen auch eine Positionierung des Komponisten zur Tradition dieser musikalischen Großform.

Schon in der Auswahl des kompositorischen Materials manifestiert sich der universelle Anspruch: Als Basis dient eine Reihe, die nicht nur alle 12 Töne, sondern auch alle Intervalle enthält. Damit ist gewissermaßen das gesamte Spektrum melodischer Gestaltungsmöglich-keiten in die Keimzelle der Symphonie integriert; aus diesem reichen Vorrat schöpft das thematische Material des gesamten Werkes, ohne sich jedoch an die Normen dodeka-phonischer Techniken zu binden – vielmehr wird in der Verarbeitung der Themen eine freie, oft auf dissonanzärmeren Ganztonskalen fußende Harmonik verwendet.

Eine weitere Grundidee der Komposition orientiert sich am wörtlichen Sinn des Begriffs sýmphōnos = zusammenklingend: Der Klang des groß besetzten Orchesters wird mit kammermusikalischen, aus der Ferne erklingenden Elementen und Textfragmenten Rilkes zum Thema „Musik“ erweitert. Dazu wird die Symphonie mit dem als eigenes Werk konzipierten Zyklus „Fernes Klingen“ für Mezzosopran, Bariton, Klavier und Saxophon-quartett so kombiniert, dass die Satzpausen der Symphonie durch die einzelnen Teile des Zyklus nahtlos überbrückt werden.

Formal orientiert sich Waldeks Erste Symphonie deutlich an der traditionellen Architektur: Die übliche Viersätzigkeit wird beibehalten, wobei der langsame Satz anstelle eines Trios ins Scherzo eingefügt ist. Um die beiden Ecksätze auch thematisch eng zu verbinden, verschiebt der Komponist die Reprise des I. Satzes ins Finale. Zu Beginn der Symphonie wird nach einer kurzen Vorstellung der Allintervallreihe ein einziges Thema exponiert, das in seiner rhythmischen Gestalt zunächst unscharf auftritt; in drei Anläufen entstehen daraus unterschiedliche Klangebenen (Pizzicati / Tremoli / Schlagwerk + Blechbläser), die – in ihrer Oberfläche akustisch gut unterscheidbar – später das Material für die Durchführung liefern. Das tänzerisch angelegte Scherzo weckt Assoziationen an eine Tarantella und entwickelt zunehmend komplexere „balkaneske“ Rhythmen, während das eingeschobene Adagio zwischen weitgespannten Melodiebögen und choralartigen Abschnitten pendelt. Der Finalsatz, der leise aber rhythmisch pointiert beginnt, bezieht nach einer eher knapp gehaltenen Durchführung Elemente aus den vorderen Sätzen sowie die Singstimmen und das Saxophonquartett in die Reprise mit ein und betont damit den ganzheitlichen Charakter der Symphonie, der durch die abschließenden, aus dem ersten Satz übernommenen ⅞ – Ostinati noch zusätzlich verstärkt wird.

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