Gerhard Haderer Das Bundesvieh

#6 WINKLER DIREKT: Theater, Kunst heißt immer Bewegung

Bei einem Wechsel der Theaterleitung ist es branchenüblich sein eigenes künstlerisches Personal mitzubringen. So weit , so normal, wie es jetzt in Linz der Fall ist. Poschner kommt als Nachfolger von Dennis Russell Davies ab Juni 2017 und er beginnt sein Haus zu bestellen. Für den Besucher ist es immer ein Paradigmenwechsel, wenn ihm vertraute Künstler plötzlich nicht mehr arbeiten sollen, die es bisher ausgesprochen gut gemacht haben. Leopold als Chorleiter ist ein anerkannter Experte, der auch die Professur für Chorleitung an der ABPU auf Grund seiner Fähigkeiten bekam. Von den 4 Kapellmeistern, die das Haus verlassen werden, möchte ich keinen hervorheben. Dass sie geholfen haben das Haus auf künstlerisch hohem Niveau am Betrieb zu halten ist unwidersprochen. Poschner will mit einer anderen Mann- oder Frauschaft seine Ära in Linz beginnen. Das ist nicht nur sein gutes Recht, es ist einfach notwendig, will man die Dynamik eines Theaters erhalten. Theater lebt vom Wechsel. Was mich mehr irritiert ist, dass im Linzer und oö. Kulturleben – nimmt man die großen Institutionen – gepflegtes Bundesdeutsch zur Amtssprache wird. Schneider, Poschner, Frey werden das Kulturleben in der nächsten Zeit bestimmen. So weit, so gut. Nur hat es in Linz, OÖ oder Ö oder gar außerhalb Deutschlands keinen Kandidaten gegeben, der für eine der Funktionen Fähigkeiten genug gehabt hätte? Ich weiß schon, Ausschreibung ist Ausschreibung und die EU ist die EU. Richtig. Ich bin auch der Erste, der immer predigt, dass man über den Tellerrand schauen sollte. Immer in der eigenen Suppe zu kochen, kann kein künstlerisches Ziel sein. Nur wenn der Tellerrand Germanien allein heißt, ist das eben irritierend. Um es deutlich zu sagen, ich wünsche der Kultur von Linz und OÖ spannende Zeiten und den jeweiligen Leithammeln, im Sinne ihrer Konsumenten, nur das Beste. Allerdings: wenn ein Land wie Österreich, das sich als Mittelpunkt der Kunstwelt, speziell der Musikwelt, empfindet, inhaltliche Positionen im großen Stil abgibt, ist das Anlass zur Grübelei. Ist das mangelndes Selbstbewusstsein, oder sind unsere Künstler alle in der EU verstreut und kolonialisieren den Rest von Europa erfolgreich?

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