Winkler, Davies, Glass

#4 Glass, der musikalische Spaltpilz

1999 hatte ich mit Dennis Russell Davies mehrere Gespräche über ein mögliches Engagement als Opern- und Orchesterchef des Bruckner Orchesters in Linz. 2000 wurde er designiert und 2002 kam er definitiv nach Linz. In dieser Zeit sagte in Wien ein Musiker zu mir: „Ihr bekommt ja jetzt den DRD?! Das wird Glass!! – ganz im Sinne von „klass“ als Abkürzung von klassisch. Und es wurde Glass. Davies, der viele Werke von Philip Glass, vor allem Opern, aus der Taufe gehoben hatte, begann unbeirrt Linz zu „Glass-ifizieren“ und damit die Zuhörerschaft auch zu spalten. Die Partei der Klassiker lehnt die Musik Glass´ einfach ab. Sie lassen sich erst gar nicht hörend auf ihn ein. In ihren Ohren ist alle Musik, die nicht nach Wiener Klassik oder deutscher Romantik klang, suspekt. Minimal Music, als Bezeichnung der Musik Philip Glass, war durchaus abschätzig gedacht. Und hilflos gleichzeitig. Das sich Einlassen auf Neues oder Anderes ist keine Stärke des österreichischen Klassikhörers. Musik, solange sie bekannt ist, wird von einem Teil des Publikums gerne als Sedativum, als Belohnung empfunden. Man meint alles zu kennen und kann sich entspannt zurücklehnen. Man betrachtet das Konzert als Ornament, als Verzierung der eigenen Bildung und nicht als Kunst, der die volle Aufmerksamkeit gelten sollte. Dem gegenüber steht ein unglaublich erfolgreicher Phil Glass, dem es gelingt, Konzertsäle wieder zu füllen, der ein vielseitig orientiertes Publikum zwischen jung und alt anspricht. Der Vorwurf, er sei Minimalmusiker und könne schon daher nicht an die Meister österreichischer Einbildung herankommen, geht völlig fehl: Darius Milhaud, später Nadia Boulanger und indische Einflüsse von Ravi Shankar lassen eine Musikwelt erahnen, die gleichberechtigt neben den europäischen Größen steht. Gerade Letzterer war entscheidend für den Stil, den man als “hypnotisch–repetitiv“ bezeichnen kann. Peter Sellers beschreibt die Wirkung so: „Bei Phil ist es ein bisschen wie bei einer Zugfahrt durch Amerika. Wenn sie aus dem Fenster sehen, scheint sich stundenlang nichts zu verändern, doch wenn sie genau hinsehen, bemerken sie, dass sich die Landschaft sehr wohl verändert hat…“ Sich auf die Musik Philip Glass einlassen heißt es also – im Sinne von Peter Sellers… Zum Beispiel mit dem CD Angebot im Kulturquartier. Schauen sie einfach auf dieser Homepage weiter.   PHILIP GLASS VERANSTALTUNGEN [ecs-list-events cat=’Maki Namekawa‘ excerpt=’true‘ venue=’true‘]     PHILIP GLASS NEUERSCHEINUNGEN  

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